Orgelfreunde der Großen Strobel-Orgel e.V. feiern 140 Jahre des Instruments
„Man soll die Feste feiern wie sie fallen“ - so sagt man häufig, aber 140? In unserer schnelllebigen Zeit ist es legitim, wenn man sich schon nach Ablauf von 10 Jahren erinnert an all die großen und kleinen Dinge, die damit verbunden sind. So auch in diesem Falle, hat sich doch der Verein mit vielen Aktionen zusammen mit Kantorin Laura Schildmann um die Wiederherstellung des Originalzustands der Orgel von 1886 bemüht und das mit Erfolg. So wurden gleich zwei „Feste gefeiert“!
Ende August wurde eingeladen unter dem Titel „Ton und Wort“.
Im Wortteil hießt es: „Was wünschen wir unserer Orgel zum 140. Geburtstag, wie soll man sie denn beglückwünschen? Beglückwünschen kann man sie nicht. Aber wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir sie haben – unsere große Strobelorgel; hier unter dem Dach der Unterkirche; seit 140 Jahren. Denn ihr Klang, in all den möglichen Facetten und Farben der Musik, begleitet seitdem Menschen – und zwar in allen möglichen Facetten und Farben ihres Lebens. Wie kraftvoll und wie zart, wie gewaltig und wie verspielt der Orgelklang doch immer wieder die Seele berühren kann! Es ist einfach tief beeindruckend! Und es ist schwer in Worte zu bringen, weil die Musik doch ihre ganz eigene Sprache spricht.“
Im Tonteil verwirklichte Kantorin Laura Schildmann die im Wortteil ausgesprochenen Gedanken – von Pianopianissimo bis fortefortissimo, von der kleinsten, etwa 10 cm langen bis zur größten Basspfeife kamen die vielfältigen Registermöglichkeiten zum Einsatz: Franz Wagner (1870-1929, gehört noch zu den Romantikern), Joseph Ahrens (1904-1997, Vertreter der Zwölftontechnik, eine revolutionäre Kompositionstechnik der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts) und Johannes Matthias Michel (geb. 1962, Vertreter der Gegenwart mit seinen Kompositionen: Peace(dialogue) und Intrade in Jazz)


Nach dem Ton- und Wortteil (also Geist und Seele) erfolgte - wie es bei einem Fest üblicher Brauch ist - die Einladung zum lukullischen Geburtstagsmahl in den Gemeindesaal. Zuerst wurde die berühmte Orgelsuppe serviert, eine Kreation unseres ehemaligen Superintendenten Bàlint. Er war vor seiner Zeit in kirchlichen Ämtern Koch. Familie Wallrodt hat alles hineingekocht, was unsere Orgel so hergibt (bis zur Wiederherstellung war der Prospekt viel bunter und hatte den Spitznamen „Gemüseorgel“).
Zum Abschluss wurde die „Geburtstagstorte“ angeschnitten und man saß noch eine ganze Weile zusammen; es wurde so manche Anekdote erzählt im Zusammenhang mit den vielen Aktionen zur Wiederherstellung der Orgel wie sie heute ist.
Damit endete der erste Teil der Geburtstagsrunde mit der Vorfreude auf den zweiten Teil.
Anfang September luden die Orgelfreunde der Großen Strobelorgel anlässlich der „140 Jahre Strobelorgel“ zu einem Konzert mit besonderer Überraschung ein. Der Orgelverein regte ein Auftragswerk für die Strobelorgel an. Dank der vielfältigen Beziehungen der Kantorin Laura Schildmann war schnell eine geeignete Komponistin gefunden. Es sollte kein abendfüllendes Werk werden, aber die vielfältigen Möglichkeiten der Strobelorgel zur Geltung bringen. Kantorin Schildmann, die ihr Studium in Berlin absolviert hatte, nahm Kontakt auf zu einer ehemaligen Kommilitonin in der gleichen Hochschule, allerdings im Fach Komposition. Stepha Schweiger, die heute als Avantgarde-Komponistin, Produzentin, Pianistin und Songwriterin international arbeitet, sagte zu. Sie hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein Stück für eine Orgel geschrieben. Dank der heutigen Medienmöglichkeiten gingen zahlreiche Informationen bzgl. der Strobelorgel zwischen Kantorin und Komponistin hin und her und so konnte dann das Konzert mit der Uraufführung „Geboren in die Strömung“ erfolgen.
15.00 Uhr erfolgte eine Werkeinführung mit zahlreichen Gästen an der Orgel, bei der Frau Schweiger ihre Intensionen erläuterte und Laura Schildmann einige Takte anspielte. 16.00 Uhr traf man sich zu einer Kaffeerunde im Gemeindesaal und Pfarrerin Greifenstein befragte die Komponistin zu verschiedenen Themen. So stieg langsam die Spannung und 17.00 Uhr begann das Konzert. Kantorin Laura Schildmann umrahmte die Uraufführung mit Werken von J.S. Bach und einer Improvisation von „Jesu, geh voran auf der Lebensbahn!“
Und dazwischen: „Geboren in die Strömung?“. Stepha Schweiger äußerte sich dazu so: Im Mutterleib will ein Kind endlich auf die noch unbekannte Welt kommen, nicht wissend, was es erwartet. So beginnt die Komposition mit kräftigen Basstönen - wie eine Detonation. Im weiteren Verlauf erklingen dann unterschiedliche Motive - so wie unser menschliches Leben im Lauf der Jahre mit Höhen und Tiefen verläuft. Der spontane Applaus nach der Uraufführung machte deutlich, dass die Zuhörenden das Werk als gelungen empfanden. In Gesprächen äußerten viele die Hoffnung, es noch öfter hören zu können.
Am Ende dieser zweiten Geburtstagsrunde „140 Jahre Strobelorgel“ gab es noch zahlreiche Gespräche mit der Komponistin Stepha Schweiger und der Organistin Laura Schildmann.
Dank gebührt den Freunden der Großen Strobelorgel e.V. für ihr Engagement zu diesem Ereignis und für ihre weitere Tätigkeit.